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Der Geburtstag des Generaldirektors
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Eine Geschichte über Autocorrect, Adrenalin und einen Cognac um 17:00 Uhr – wie ein gewöhnlicher Montagmorgen fast zur Katastrophe wurde… und überraschend gut ausging.Eine Bürogeschichte
Das Gehirn läuft noch im Standby-Modus, als im allgemeinen Chat eine Nachricht der Personalabteilung aufploppt:

„Heute hat unser Generaldirektor, Herr Müller, Geburtstag! Vergessen wir nicht, ihm zu gratulieren!“
Herr Müller – ein strenger Mann über 50, stets im Anzug, Lächeln unbekannt, berüchtigt dafür, Mitarbeiter für ein überflüssiges Leerzeichen im Bericht zu entlassen. Und jetzt soll man ihm schreiben. Im allgemeinen Chat bricht die Hölle los:
Flut von GIFs – Glitzer, Engel, „Alles Gute zum Engelstag!“
Trocken und effizient: „Alles Gute zum Geburtstag.“ Punkt.
Beschluss: Ich schreibe eine persönliche PN – respektvoll, herzlich, mit Subtext „Ich bin wertvoll.“
Der Dialog mit dem Chef ist geöffnet. Der Cursor blinkt. Die Gedanken rasen.
„Alles Gute zum Geburtstag, Herr Müller!“ – Er wird denken, es ist mir egal. Gelöscht.
„Sehr geehrter Herr Müller, ich gratuliere Ihnen von ganzem Herzen zu diesem bedeutsamen Tag…“ – Zu schleimig. Gelöscht.
Das neuronale Netz liefert den perfekten Text: respektvoll, herzlich, professionell. Kopiert. Perfekt – fast.
Der KI-Text war makellos. Die eigene kreative Ergänzung sollte es noch herzlicher machen. Spoiler: Sie tat es nicht.

Der Plan war simpel: Den perfekten ChatGPT-Text einfügen und eine persönliche Zeile hinzufügen – „Ich wünsche Ihnen weniger Stress und mehr Erholung!“
Die Hände zittern. Das Handy-Autocorrect entscheidet eigenständig. Ohne Gegenlesen: Klick auf „Senden“.
Gesendet: „Sehr geehrter Herr Müller! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Ich wünsche Ihnen gute Gesundheit, unerschöpfliche Energie und einen baldigen Ruhestand!„
Das Autocorrect hatte entschieden: „ausruhen“ und „in Rente gehen“ – dasselbe. In der Panik folgt der nächste Fehler: Statt die Nachricht zu löschen, tippt man daneben – und schickt einen Sticker mit einer weinenden Katze hinterher.
Er schreibt die Entlassungsanordnung. Mit Begründung. Und CC an die gesamte Personalabteilung. Vielleicht sogar mit Unterschrift.
Die Wartezeit dehnt sich wie eine Ewigkeit. Jede Sekunde ist Qual. Der Sticker mit der weinenden Katze hängt stumm im Chat – ein digitales Denkmal des Schreckens.
„Danke, Olaf. Du bist der Einzige in dieser Firma, der meinen sehnlichsten Traum ausgesprochen hat. Heute um 17:00 Uhr erwarte ich dich in meinem Büro – der Cognac geht auf mich.“
Herr Müller – der strenge, lächellose Mann im Anzug – hatte sich offenbar schon längst einen baldigen Ruhestand herbeigesehnt. Zwei Stunden lang beschwerte er sich, wie sehr ihn dieser Job nervt. Olaf hörte zu. Mit einem Glas Cognac in der Hand.
Manchmal sagt Autocorrect genau das, was niemand auszusprechen wagt.
Nicht gefeuert – sondern zum Lieblingsmitarbeiter des Chefs avanciert.
Immer Nachrichten gegenlesen. Aber manchmal ist es besser, es nicht zu tun.